Deutschland endlich NAZI-frei!

Was ist ein Nazi?

Eine kleine Begriffsklärung

Manchmal habe ich Langeweile und dann brauche ich mal ein paar „Alternative Ansichten“, die ich gerne bei unserem lokalen AfD-Obersten hier in Ratingen-Hösel auf seinem Blog finde. Der Mann hat sehr viel Zeit, er kann gleich zwei Blogs betreuen, unzählige schlauschwätzende Leserbriefe schreiben und nebenbei noch linke Hetzer wie mich anzeigen. Meistens kann man sich allerdings das Geschwurbel auf seinen Blogs nicht wirklich geben. Linke leiden ja generell an ADHS und halten sowas nicht lange aus.

Aber heute fand ich einen bemerkenswerten Artikel von Herrn Ulrich zum Thema „Was ist ein Nazi?“. Als intellektuell gestählter Bildungsbürger geht er hier mit der ganzen Schärfe seiner Logik eben dieser Frage nach.

Den „Nazi“ macht er dabei an insgesamt sechs Merkmalen fest. Ich denke, die Kriterien hat er sicherlich der AfD-internen Hermeneutik entnommen – eine Quelle für die Definition jedenfalls wird nicht beigesteuert. Ich für meinen Teil hätte ja eher geschaut, ob es eine DIN-Norm o.ä. zum „Nazi“ gibt – aber vielleicht ist er da ja nicht fündig geworden. Nun ja.

Ziel der Übung scheint nun der Nachweis zu sein, dass die laut Herrn Ulrich „inflationäre“ Verwendung des Begriffs „Nazi“  a. für AfD-Politiker unangebracht und b. „eine respektlose Verhöhnung  all jener Opfer (ist), die unter dieser Herrschaft  gelitten haben, missbraucht, gefoltert und getötet wurden“ und daher absolut verdammenswert sei.

Herr Ulrich kommt bei seiner Analyse zu dem Schluss, dass er (nach seinem Kriterienkatalog) „keinen deutschen Politiker kennt“, der Ähnliches denkt, behauptet oder vertritt wie ein „Nazi“. Es also nach der Logik von Herrn Ulrich überhaupt garkeine Nazis unter deutschen Politiker gibt? Die AfD also eine harmlose bürgerliche Partei ist? Und kein von Nazis durchsetzer Haufen? Quod erat demonstrandum!

Da musste ich mich am Kopf kratzen, da mir spontan so das eine oder andere Zitat einfiel. Ein wenig Google Recherche brachte Erstaunliches zu Tage.

Kriterium I: Das Führerprinzip

Der NS-Staat war eine spezielle Ausprägung des Faschismus. Die Ideologie des Faschismus fußt auf dem „Führerprinzip“ (Duce, Caudillo, Führer) und der Ablehnung parlamentarischer Demokratie. – Ich kenne keinen deutschen Politiker, der diese Ideologie vertritt.
Bernd Ulrich – Alternative Fakten

„Die Sehnsucht der Deutschen nach einer geschichtlichen Figur, welche einst die Wunden im Volk wieder heilt, die Zerrissenheit überwindet und die Dinge in Ordnung bringt, ist tief in unserer Seele verankert, davon bin ich überzeugt.“ 

Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, in einem Interview mit dem ZDF (https://www.zdf.de/nachrichten/heute/das-interview-mit-bjoern-hoecke-verschriftet-100.html)

Ups. Behauptet Höcke da, die Deutschen sehnen sich nach einem “Führer”???

Okay – und wenn, dann gleich 1.000 Jahre:

„Ich will, dass Magdeburg und dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit haben. Ich will, dass sie noch eine tausendjährige Zukunft haben, und ich weiß, ihr wollt das auch.”

Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, auf einer AfD-Demo in Magdeburg am 14. Oktober 2015

Aber wahrscheinlich ist das Problem, dass Herr Ulrich „die Ablehnung parlamentarischer Demokratie“ einfach ganz anders versteht. Wenn man in einer Partei ist, in der ein Herr Gauland von einer „Kanzler-Diktatorin“ schwafelt und man selber in seinem Blog die NRW-Landesregierung als „regierende Nomenklatura“ betitelt und damit einen Bezug zum SED-Regime herstellt, dann kann man ja gegen das aktuelle System kämpfen, ohne in den Verdacht zu geraten die parlametarische Demokratie abzulehnen. Weil man sich ja selber in einer Diktatur befindet und für die wahre, echte Demokratie kämpft! Klingt logisch – oder?

„Sie finden bei uns Menschen […], die erkennen, dass die Blockparteien, wie sie heute im Bundestag präsent sind, in eine  Richtung spazieren; dass es keine Unterschiede mehr gibt,  und dass ihnen eine einzige Zielrichtung gemein sind: nämlich das Volk zu bevormunden und nach ihrem Willen zu regieren,  ohne den Bürger, ohne Sie zu fragen.” 

Armin-Paul Hampel, MdB und außenpolitischen Sprechers der AfD-Fraktion, Rede in Hamburg am 18. August 2013

Kriterium II: Die Gleichschaltung

Faschismus und NS-Staat haben alle gesellschaftlichen Gruppen  und Organisationen  unter Androhung oder Einsatz von Gewalt „gleichgeschaltet“: Presse, Rundfunk, Gewerkschaften, Vereine, Industrieverbände, usw. Ich kenne keinen deutschen Politiker, der derartiges auch nur im entferntesten anstrebt.

Bernd Ulrich – Alternative Fakten

„Wer versucht, die AfD zu richten, den richtet die AfD.”

Hans-Thomas Tillschneider, MdL Sachsen-Anhalt und Sprecher der »Patriotischen Plattform«, auf dem AfD-Bundesparteitag in Hannover, 02. bis 03. Dezember 2017

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht – denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Markus Frohnmaier, MdB und ehemaliger Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA), handelsblatt.com 02.12.15/spiegel.de 26.11.15

Der Freiburger Stadtrat Dubravko Mandic von der AfD phantasierte in seiner bekannten Wutrede vor dem SWR: „Wir werden Sie aus ihren Redaktionsstuben vertreiben.“ Nun ja – er hat sich immerhin entschuldigt.

„Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden! Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“

Uwe Junge, MdL und ehemaliger Landesvorsitzender der AfD Rheinland-Pfalz

„Wenn jemand kommt, und den ganz großen Knüppel rausholt und das damit schafft, innerhalb von zwei Tagen zu beenden, bin ich sofort dabei und solange tue ich, was ich kann.“

Beatrix von Storch, MdB und stellvertretende Bundessprecherin der AfD

„Das, was wir jetzt noch nicht durchsetzen können, weil wir nicht die Macht haben – aber wir werden die Macht bekommen – und dann werden wir das durchsetzen, was notwendig ist, damit wir unser freies Leben leben können. Dann werden wir die Direktive ausgeben, dass am Bosporus mit den drei großen M, Mohammed, Muezzin und Minarett, Schluss ist, liebe Freunde!”

Björn Höcke, Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, in einer Rede beim AfD Kreisverband Mansfeld-Südharz in Eisleben am 20. Januar 2018

„Linksextreme Lumpen sollen und müssen von deutschen Hochschulen verbannt und statt einem Studiumsplatz lieber praktischer Arbeit zugeführt werden. (…) Nehmen Sie die linksextreme Bedrohung ernst und beteiligen Sie sich an allen möglichen Maßnahmen, um diese Wucherung am deutschen Volkskörper endgültig loszuwerden.”

André Poggenburg, ehemaliger Landesvorsitzender der AfD und der AfD-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt, am 03. Februar 2017 in einer Rede im Landtag von Sachsen-Anhalt.

Kommen wir zu den internen Ausagen, die man im Netz so findet:

„Wir sollten eine SA gründen und aufräumen.”

Andreas Geithe, Ex-Mitglied der rechtsterroristischen „Nationalistischen Front“ und Bürgerdeputierter der AfD im Berliner BVV-Ausschuss für Soziales, Senior*innen, Arbeit und Wirtschaft, am 18. September 2017 auf Twitter

„Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote. Frauen, Kinder. Mir egal. Hauptsache es geht los … Tote, Verkrüppelte. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!”

Marcel Grauf, Neonazi und ehemaliges NPD-Mitglied, Mitarbeiter der baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten Heiner Merz und Christina Baum; Quelle: Facebook-Chatprotokolle

„Da muss man einfach ausrasten und erstmal das ganze rotgrüne Geschmeiß aufs Schafott schicken. Und dann das Fallbeil hoch und runter, dass die Schwarte kracht!”

Holger Arppe, Ex-AfD und ehemaliger stellv. Fraktionsvorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern, am 11. August 2015; Quelle: interne Chatprotokolle

Kriterium III: Die Rassentrennung

Der NS-Staat betrieb Rassentrennung (Verbot von Mischehen, Kastration von „Mischlingen und Bastarden“).   Ich kenne keinen deutschen Politiker, der derartiges auch nur im entferntesten anstrebt.

Bernd Ulrich – Alternative Fakten

Ja ne. Ist der Traum des durchschnittlichen AfD-Politikers vom „Biodeutschen“ mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern ausgeträumt? Aber so am Rand vorbeischrappen gehört ja auch eh zur AfD-Strategie: So wie der Herr Professor Weber (einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Schweriner Landtag) den Parteitag der AfD als „eine klare und deutliche Absage an alle Versuche einer multikulturellen Umgestaltung unseres Vaterlandes und eine ebenso deutliche Absage an alle Versuche, unser Volk durch Überfremdung mittels Zuwanderung auszutauschen“ empfindet und dabei auch mal den Begriff „Biodeutscher“ heranzieht. Die AfD – unsere kleine Professoren-Partei.

https://www.faz.net/aktuell/politik/mecklenburg-vorpommern-afd-mahnt-abgeordneten-ab-14990421.html

Gespannt kann man auch sein, wie Herr Höcke seine Ideen in die Tat umsetzen möchte:

„Die Weißen und die Schwarzen setzten sich vor ihrer Amerikanisierung aus mehreren hochdifferenzierten Völkern mit eigenen Identitäten zusammen. Jetzt sind sie in einer Masse aufgegangen. Diesen Abstieg sollten wir Europäer vermeiden und die Völker bewahren.“

„Auch wenn wir leider ein paar Volksteile verlieren werden, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen.“ Er denke an einen “Aderlass”. 

Zitate aus Björn Höckes Buch „Niemals zweimal in denselben Fluss“

Ganz zu schweigen davon, wie man sich in Zukunft schützen soll! Auch da muss man mal überlegen, wie wir das umsetzen wollen, wenn die AfD an die Macht gekommen ist!

„Wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger (…) anhustet, dann muss ich wissen, ist er krank oder ist er nicht krank“

Andreas Winhart, MdL im Bayerischen Landtag für die AfD

Kriterium IV: Die Überlegenheit der arischen Rasse

Die Rassentheorie der Nationalsozialisten propagierte die Überlegenheit der „arischen Rasse“, insbesondere deren „nordische“ Ausprägung. Die „Ostvölker“ wurden als Untermenschen betrachtet, die in einem Eroberungskrieg unterjocht und versklavt werden sollten.  Ich kenne keinen deutschen Politiker, der solches auch nur im entferntesten propagiert.

Bernd Ulrich – Alternative Fakten

Nee, so einfach macht sich das die AfD nicht. Ha ha ha. Aber Herr Höcke hat ja auch so ein bemerkenswertes Rassenverständnis:

„In Afrika“, erklärte Höcke, „herrscht nämlich die sogenannte r-Strategie vor, die auf eine möglichst hohe Wachstumsrate abzielt. Dort dominiert der sogenannte ,Ausbreitungstyp‘. Und in Europa verfolgt man überwiegend die K-Strategie, die die Kapazität des Lebensraums optimal ausnutzen möchte. Hier lebt der ,Platzhaltertyp‘.“ Und weiter: „Das Auseinanderfallen der afrikanischen und der europäischen Geburtenrate wird gegenwärtig natürlich noch durch den dekadenten Zeitgeist verstärkt, der Europa fest im Griff hat. Kurz: Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/hoeckes-rassentheorie-der-sound-der-neuen-rechten-13975575.html

Und irgendwie haben einige in der AfD das Ding mit den Rassen eh nicht so ganz verstanden. Kablitz (OH! Ist ja garnicht mehr in der AfD!!!) faselt ja gerne mal vom „Ethnodeutschen“– empfohlen sei dem AfD-Politker dazu die Jenaer Erklärung: „Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung“.

https://www.shh.mpg.de/1464864/jenaer-erklaerung

Interessant auch Dubravko Mandic, Vorsitzender des baden-württembergischen AfD-Schiedsgerichts, welcher  US-Präsident Obama wiederholt als „Quotenneger“ bezeichnete. Meuthen lehnt einen Ausschluss Mandics aus der AfD übrigens ab.

„Wir denken nicht in Parteiideologien. Wir denken völkisch.”

Emil Sänze, AfD-MdL in Baden-Württemberg, in einem Pressegespräch am Rande eines AfD-Bürgerdialogs in Rottweil am 09.01.2020.

Na ja und auch Jens Maier, MdB, offenbart in seinem Zitat über Noah Becker ein eher altertümliches Rasseverständnis:

„Dem kleinen Halbneger scheint einfach zu wenig Beachtung geschenkt worden zu sein, anders lässt sich sein Verhalten nicht erklären.“

Jens Maier, MdB

ACH JA. Und der liebe Herr Ullrich selber, der in seiner großzügig bemessenen Freizeit ja tatsächlich neben den „Alternativen Ansichten“ noch seine „Briefe Von Bernd“ (…das Brot???) unters Volk wirft. Da kann er sich darüber ergehen, dass im Salamander Lurchi der „Neger“ nicht mehr als „Kannibale“ dargestellt wird (werden darf?).

Wo doch sein „lesekundiger Enkel“ (da bin ich echt froh!!!) ganz klar nachlesen kann, dass der Neger ein Kannibale ist. Mit Ekel zu lesen hier:

Hey – aber ich kenne keinen deutschen AfD-Politiker, der solches auch nur im entferntesten propagiert.

Kriterium V: Vertreibung und Vernichtungslager

Der Nationalsozialismus entrechtete die jüdischen Mitbürger, trieb sie außer Landes und schließlich in die Vernichtungslager.  Ich kenne keinen deutschen Politiker, der dieses Verbrechen gutheißt oder gar eine Wiederholung anstrebt.

Bernd Ulrich – Alternative Fakten

Lassen wir mal die Frage offen, ob es AfD-Politiker gibt, die die Verbrechen der Nazis gutheißen oder eine Wiederholung anstreben. Bei den Juden ist man da selbst in der AfD ein wenig zimperlich – auch wenn das Thema „Schuldkult“ und Beurteilung des Holocaust sicherlich auch diskussionswürdig wäre. Was das Thema Vertreibung und Entsorgung angeht, sind viele unserer besorgten Musterbürger aber nicht so zimperlich und recht flink bei der Entsorgung und Vertreibung dabei:

„Solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen.“

AfD-Bundestagsabgeordneter Petr Bystron in seiner Abschiedsrede als Landesvorsitzender der AfD Bayern 2017

„Ladet sie (gemeint war Frau Özoguz, SPD-Politikerin) mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können.“

Der freundliche Hundekrawattenfan Alexander Gauland, AfD

„Überhaupt, Ihre Bescheidenheit, nur diese eine Person entsorgen zu wollen, erscheint mir hier ausnahmsweise unangebracht.“

Jörg Meuthen beim Kyffhäusertreffen am 2. September 2017

„Es wird ein groß angelegtes Remigrationsprojekt notwendig sein.“ und „…bei dem wird man, so fürchte ich, nicht um eine Politik der ‘wohltemperierten Grausamkeit‘, wie es Peter Sloterdijk nannte, herumkommen.“

Bernd (Björn?) Höcke in seinem Buch „Nie zweimal in denselben Fluss”.

Schön auch, wie hier Herr Höcke mal wieder den Intellektuellen heraushängen lässt und Herrn Sloterdijk einstreut. Die Masche kennen wir ja auch von unserem Herrn Ulrich.

Ach – einer geht noch gut zum Thema Juden:

„Wie der Islam der äußere Feind, so waren die talmudischen Ghetto-Juden der innere Feind des christlichen Abendlandes.”

Wolfgang Gedeon, Abgeordneter im Landtag von Baden-Württemberg, in seinem Buch »Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten« (2012)

Kriterium VI: Unwertes Leben und Behinderte

Der NS-Staat betrachtete geistig Behinderte als „unwertes Leben“. In den Euthanasie-Programmen wurden diese Menschen umgebracht.   Ich kenne keinen deutschen Politiker, der eine Neuauflage der Euthanasie von Kranken befürwortet.

Bernd Ulrich – Alternative Fakten

Ja, so doof sind ja selbst AfD-Politiker nicht, dass sie öffentlich Euthanasie befürworten. Aber die Geisteshaltung vieler AfD-Politiker zum Thema „unwertes Leben“ lässt zumindest tief blicken. Ein paar Ausschnitte:

Der Fraktionsvorsitzender der AfD im Saarbrücker Landtag, Josef Dörr, spricht gerne von „gesunden“ und „kranken“ Kindern und setzt Kinder mit Unterstützungsbedarf dann auch gleich mit Menschen mit übertragbaren Krankheiten:

“Was aber unter keinen Umständen geht, ist, dass in dem gleichen Krankenhaus oder der gleichen Abteilung dann auch Menschen sind mit übertragbaren Krankheiten, schweren ansteckenden Krankheiten.“ Dieses Bild treffe auch auf die Situation in Schulen zu. Durch die Inklusion würden an Schulen “Kinder mit Downsyndrom unterrichtet (…) mit anderen Kindern, die ganz normal, gesund sind“.

https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/afd-vergleicht-foerderschueler-mit-ansteckenden-patienten_aid-17434503

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Keuter machte von sich reden, als er  in einer Ausstellung, in der Zwangssterilisationen zur Zeit des Nationalsozialismus thematisiert wurde, davon sprach, man müsse die „Euthanasie“-Morde aus ihrer Zeit heraus verstehen.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article203967842/Potsdam-Strafanzeige-wegen-Volksverhetzung-gegen-AfD-Abgeordneten.html

Ach ja – und dann diese nette AfD-Anfrage im Bundestag, mit der man (Unterstellung!) Inzest, Zuwanderung und Behinderung in einen Topf geworfen hatte, um damit eine leckere braune Brühe anzurühren:

Im ekelhaften Original: http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/19/014/1901444.pdf

https://www.sueddeutsche.de/politik/sozialverbaende-die-afd-wertet-das-leben-von-behinderten-als-nicht-lebenswert-ab-1.3956029

Nett auch:

„Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte. Dafür muss ich mich im Deutschland des Jahres 2014 rechtfertigen.“

„Spätestens, wenn die ersten Bildungsverschlimmbesserer eine Down-Syndrom-Quote unter der deutschen Lehrerschaft einfordern, sprechen wir uns wieder.“ 

Thomas Hartung, Pressesprecher der AfD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg. Hartung bezog sich auf einen spanischen Lehrer mit Down-Syndrom (bekannt aus dem Film „Me too“) Posting auf Facebook (Juni 2014, gelöscht)

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/landtagswahlen-2014/nachaeusserungen- ueberbehinderte-tudresden-droht-afdpolitiker-mitkonsequenzen-seiteall/10088272-all.html

Lieber Herr Ulrich,

unabhängig von meiner obigen Zitatensammlung sei mir noch folgende Anmerkung erlaubt: Auch wenn ich als Bildungsversager nur ein Semester Philosophie geschafft habe, so ist mir der korrekte Aufbau eines Argumentes noch aus der Schule präsent:

Erste Prämisse +  Zweite Prämisse (oder weitere) lassen einen deduktiven (gut!) oder induktiven (weniger gut) Schluss auf die Konklusion.

Also frei nach Ihnen:

Prämisse: Der Duden sagt ein Nazi ist ein Nationalsozialist.
Prämisse: „Der NS-Staat (Der Nazi!) betrachtete geistig Behinderte als „unwertes Leben“. In den Euthanasie-Programmen wurden diese Menschen umgebracht.“
Prämisse: Ich kenne keinen deutschen Politiker, der eine Neuauflage der Euthanasie von Kranken befürwortet.
Konklusio: Es gibt keine Nazis unter deutschen Politikern oder in der AfD (…wobei Sie streng genommen die Konklusion ja nur andeuten…).

Abgesehen davon, dass das ziemlich ekelhaft ist: Das können Sie doch besser! Ich würde sagen, das üben wir noch einmal – oder?

Ich habe Ihnen zur Hilfestellung eine Begriffsdefinition aus dem Klexikon, dem großen Online-Lexikon für Kinder kopiert – das ist ja viel einfacher zu verstehen:

„Das Wort Nationalsozialismus kommt von Nationalismus und Sozialismus. Das sind Wörter aus der Politik, die sehr viel Unterschiedliches bedeuten können. Man hat sie für den Nationalsozialismus ausgesucht, weil sie sich für viele Menschen gut angehört haben. Die Nationalsozialisten wollten damit den Eindruck erwecken, dass sie „dem Volk“ helfen. Sie meinen aber nicht, dass man das Volk fragen sollte, was es wirklich will. Nationalsozialisten denken, dass sie selber schon wissen, was gut für das Volk ist.

Nationalsozialisten glauben, dass Menschen von Geburt an unterschiedlich viel wert sind. Sie halten sich selbst für wertvoll. Ihrer Meinung nach hat der Stärkere immer Recht. Darum glauben sie, dass sie das Recht haben, andere Menschen zu unterdrücken oder umzubringen. Auch heute gibt es noch Nationalsozialisten, die Neonazis.“

Anmerkung: Alle Zitate lassen sich mit ein klein wenig Recherche im Netz finden und sind inzwische mehrfach von vielen Stellen auf Echtheit geprüft worden. Wo möglich, habe ich die Quellen angegeben und nachrecherchiert.

Bild: HoGeSatzbau

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